Konzentriert im Kreisel
E-Bike-Training: Senioren üben für mehr Sicherheit
Der zertifizierte E-Bike-Instruktor Josef Rubner (Mitte) und sein Sohn Lukas Rubner leiteten die Kursteilnehmer an. Foto: Marianne Lother

Von Marianne Lother
Weingarten. Zunehmend mehr Seniorinnen und Senioren steigen vom normalen, mit Muskelkraft betriebenen Fahrrad auf das Pedelec um. Sie möchten mit weniger Anstrengung weitere Strecken fahren und schneller vorwärts kommen. Aber viele unterschätzen den Schwung, den schon der erste Antritt bringt. Der Turbo lässt wenig geübte Biker recht schnell auf die nächste Ecke zuschießen. Dementsprechend steigen auch die Unfallzahlen.
Der Vorsitzende des Weingartener Ortsseniorenrats, Fritz Liebersbach, wandte sich nach einer Anregung durch Erika Hornfeck, dass ein Trainingsangebot nötig sei, an den Vorsitzenden des örtlichen Motorsportclubs (MSC), Jürgen Fabry. Gemeinsam veranstalteten beide jetzt zum dritten Mal ein spezielles E-Bike-Training für Senioren.
Acht Teilnehmer trafen sich dazu am Sonntagvormittag auf dem MSC-Trainingsgelände mit dem eigenen Rad. Instruktor Josef Rubner, MSC-Mitglied und erfahrener Sicherheits-Instruktor für Motorräder und E-Bikes, hatte die Aufgaben zusammengestellt. Sein Sohn Lukas Rubner übernahm die Demonstration, die Teilnehmer folgten.
„Wir beginnen mit dem instabilen Bereich“ begann Rubner. Dazu zählt alles, was das Gleichgewicht fordert: Slalom fahren, Hand ausstrecken, Ausweichen, abruptes Bremsen, Abbiegen. Schnell zeigte sich, das Langsamfahren ist die eigentliche Herausforderung. Und die richtige Blickführung. Immer wieder mahnte Rubner, den Blick auf ein Ziel in der Ferne zu richten und nicht auf die Slalom-Pylone am Boden.
Ein Erklärbeispiel sei eine Kellnerin mit einer Tasse Kaffee. Schaue sie nur auf den Kaffee, werde die Flüssigkeit bald schwappen. Schaue sie dagegen auf das angesteuerte Ziel, passiere gar nichts. Das fiel einigen Teilnehmern schwer. Erst mit zunehmender Übung gewannen sie an Sicherheit.
In einhändiger Fahrt eine Flasche aufnehmen und sie ein paar Meter weiter wieder absetzen war die nächste Übung. Einen Kreisel galt es in immer enger werdenden Kurven zu durchfahren. Auch da spielte wieder die Blickführung die entscheidende Rolle, um nicht ins Wackeln zu geraten.
Schritt für Schritt steigerte der Instruktor die Schwierigkeit, behielt aber stets alle Teilnehmer im Blick. Wer sich das eine oder andere nicht zutrauen wollte, durfte aussetzen. „Wir üben so, dass Ihr leicht unterfordert seid“, sagte Rubner, „es soll Spaß machen und Euch Fortschritte bringen.“ Er habe Respekt vor denen, die an sich arbeiten und nicht glauben, schon alles zu können.
Jürgen Fabry, selbst routinierter E-Biker, hatte bereits bei der Einweihung des Trainingsplatzes im Sinn, das Präventionstraining anzubieten, übrigens auch für Menschen mit Rollator. „Das entspricht unserer Verantwortung für die Älteren“ sagt der MSC-Vorsitzende. Deshalb biete er das für alle an, nicht nur für Mitglieder.